Die
Forderung nach der täglichen Sportstunde oder der <täglichen
Bewegungszelt> (vgl. hierzu auch die umfassende Darstellung von
Wasmund-Bodenstedt 1987, 19ff.) ist nicht neu. Vordergründig mit dem
Bewegungsbedürfnis der Kinder argumentierend, lag es aber häufig im Interesse
der Befürworter (vgl. die Empfehlung des Deutschen Sportbundes und der
Kultusministerkonferenz aus dem Jahr 1956: Forderung der täglichen Turnstunde -
Empfehlungen zur Förderung der Leibeserziehung in den Schulen), durch zusätzliche
Bewegungsangebote eine bessere körperliche Grundausbildung sicherzustellen,
damit Kinder und Jugendliche gute Voraussetzungen dafür haben, in den Vereinen
unter leistungsbezogenen Sinnperspektiven Sport zu treiben.
Zu
Beginn der achtziger Jahre verändert sich die Begründung für die
Notwendigkeit <täglicher Bewegungszeiten>. Auf die feststellbaren
gesundheitlichen Beeinträchtigungen der Kinder bezogen, legitimieren einige Befürworter
die Notwendigkeit von täglichen Bewegungszeiten mit dem Aspekt der Gesundheitsförderung
(vgl. auch Illi 1994). Andere hingegen kritisieren die langen Sitzzeiten der
Kinder und Jugendlichen sowie die durchgehend kognitive Orientierung des
Unterrichts und fordern als Ausgleich, Bewegungsmöglichkeiten am Schulvormittag
bereitzustellen. Schulorganisatorisch soll dies so gelöst werden, dass Pausenhöfe
und andere Freiflächen im Schulgelände in einem über die Woche hinweg
festgelegten Plan von Nutzungszeiten den verschiedenen Klassen als Ort für
Bewegung zur Verfügung gestellt werden. Darüber hinaus wurde sogar darüber
nachgedacht, wie eine eigens für die täglichen Bewegungszeiten abgestellte
Lehrkraft der Schule im Rahmen eines klassenübergreifenden Stundenplans als
'Bewegungsanimateur' eine Bewegungsveranstaltung für die Kinder durchführen könnte
(vgl. IPTS 1987)
Im
Rahmen einer <Bewegten Schule> meint die Bewegungspause im Unterricht
allerdings etwas anderes. Weit weg vom oben geschilderten Aktionismus einer
<täglichen Bewegungsveranstaltung> berücksichtigt die Idee der
Bewegungspause im Unterricht die jeweils individuellen Dispositionen von Kindern
und Jugendlichen an den für sie unterschiedlich verlaufenden Schulvormittagen.
Das Interesse der Kinder an den Unterrichtsgegenständen, ihre Konzentrationsfähigkeit
und ihr kognitives Leistungsvermögen lässt sich nicht in die durch die
Schulorganisation vorgegebene 45-Minuten-Einheit pressen. Wenn Kinder und
Jugendliche unaufmerksam werden, wenn sie Lustlosigkeit zeigen oder ihr
Verhalten durch motorische Unruhe gekennzeichnet ist, kann dies ein Zeichen dafür
sein, dass sie eine andere Aktionsform wollen. Hier bietet sich oft eine
Bewegungspause an. In der praktischen Literatur finden sich viele Anregungen
(Vgl. IPTS 1987, Mertens/Wasmund-Bodenstedt 1991, Schupp 1995, Ministerium für
Schule und Weiterbildung in Nordrhein-Westfalen / Die AOK in Nordrhein-Westfalen
1996, vgl. auch den Ideen-Markt und die Anregungen von Böttges/Homp in diesem
Heft), welche Spiel- und Bewegungsformen, aber auch welche Formen der Stille und
Entspannung (vgl. in diesem Zusammenhang auch Faust-Siehl u.a. 1993 und
Wallaschek 1995) in der Bewegungspause eingesetzt werden können. Teilweise
bietet sich der Klassenraum an, um spontan arrangierte Bewegungspausen durchzuführen.
Andere <Bewegungsorte> im Schulgebäude wie ein freigeräumter
Klassenraum, die Aula oder die Pausenhalle sind dann sinnvoll, wenn die
Bewegungsformen mehr Raum beanspruchen. Und es bleibt darüber hinaus immer noch
der Schulhof, die vielleicht zum Schulhof gehörende Rasenfläche oder eine in
der direkten Nähe der Schule liegende Spielfläche.
Rüdiger
Klupsch-Sahlmann: Bewegte Schule, in Sportpädagogik 19 (1995) 6, 14-22
